dpa klagt Daten vom Bundesverkehrsministerium ein
Geschrieben am 19-04-2010 |
Hamburg (ots) - Die Deutsche Presse-Agentur dpa hat beim Berliner Verwaltungsgericht eine Klage gegen das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) eingereicht. Es geht dabei um Informationen zum Zustand der Brücken und Tunnel deutscher Autobahnen und Bundesfernstraßen. Das Ministerium verweigert die Herausgabe eines Teils der Daten unter anderem mit Hinweis auf Sicherheitsinteressen. Die dpa beruft sich hingegen auf einen Auskunftsanspruch nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG).
Seit zwei Jahren bemühen sich Rechercheure der Redaktion dpa-DataReporting vergeblich um Bauwerksdaten aus der Straßeninformationsbank. Diese enthält Informationen zur Lage, zur Konstruktion und zum Zustand der rund 40 000 Brücken und Tunnel. Die Auswertung dieser Daten soll in die Berichterstattung der dpa zur Verkehrsinfrastruktur einfließen.
Die Redaktion bat zunächst bei der Pressestelle des BMVBS, die Daten zu übermitteln. Das Ministerium verweigerte die Herausgabe jedoch mehrfach und lieferte nur zusammenfassende Berichte. Diese boten lediglich einen groben Überblick, dessen Schwerpunkte zudem das Ministerium festlegte. Eine unabhängige journalistische Arbeit ist aus Sicht der dpa auf Basis dieser Auskünfte nicht möglich.
Informationsfreigabe aus "sicherheitsrelavanten Gründen" abgelehnt
Im Februar 2009 beantragte die dpa auf Grundlage des IFG offiziell die Herausgabe der Daten. Das Verkehrsministerium lehnte erneut ab, wesentliche Teile der nachgefragten Informationen, vor allem bezogen auf den Zustand der Bauwerke, zu übergeben. Als Begründung führte es unter anderem "sicherheitsrelevante Gründe" an. Es bestehe die Gefahr, dass die Veröffentlichung der Informationen "nachteilige Auswirkungen" auf "Belange der inneren und äußeren Sicherheit" haben könne. Die Daten seien langfristig für "Auswertungen mit terroristischem Hintergrund nutzbar".
Aus Sicht der dpa geht diese Argumentation fehl, weil viele der angefragten Informationen durch Anschauen der Bauwerke erhoben werden könnten - nur das dies kein Journalist bei 40 000 Bauwerken leisten kann. Zudem beruft sich das Ministerium auf Informationsvorbehalte in einem Verwaltungsrundschreiben aus dem Jahr 1997, das schon allein aufgrund seines Alters nicht als Rechtsgrundlage dienen kann. Das IFG trat 2006 in Kraft.
Da das Ministerium auch eine konkrete terroristische Gefährdung nicht ausreichend belegen kann, entsteht der Eindruck, dass mit Hilfe eines vorgeschobenen Sicherheits-Arguments das gesetzlich verbriefte Informationsrecht des Bürgers ausgehebelt werden soll. Fragen nach Detailinformationen zum Zustand der Infrastruktur sind nach Auffassung der dpa berechtigt und notwendig, wie nicht zuletzt die Katastrophe des Kölner Stadtarchivs und die Mängel beim U-Bahnbau in der Domstadt gezeigt haben.
Derartige Informationsbegehren können nicht mit einem allgemeinen Verweis auf mögliche Terroranschläge abgelehnt werden. Deshalb hat die dpa dem ablehnenden Bescheid im Mai 2009 widersprochen. Auf diesen Widerspruch hat das Verkehrsministerium formell bis heute nicht reagiert. Die dpa hat sich daher nun zur Klage vor dem Berliner Verwaltungsgericht entschlossen.
Journalistenverband Netzwerk Recherche begrüßt die Klage
"Wir begrüßen die Entscheidung der dpa, sich mit einer Klage gegen die Informationsblockade des Verkehrsministeriums zu wehren", sagt Manfred Redelfs, Vorstandsmitglied des Journalistenverbands Netzwerk Recherche. "Nur wenn große Medienhäuser ihre Rechte nutzen und bereit sind, Musterprozesse zu führen, wird die alte Verwaltungskultur, die vom Amtsgeheimnis geprägt ist, von einer Kultur der Transparenz abgelöst werden. Die dpa übernimmt hier eine Rolle, vor der freie Journalisten schon aus Kostengründen meist zurückschrecken."
Das Verhalten des Ministeriums sei leider typisch, sagt Redelfs: "Die Beamten konzentrieren sich darauf, Gründe zu finden, warum eine Information angeblich nicht freigegeben werden darf. Dass es hier nicht um die Abwehr von Anschlagsgefahren geht, ist schon daran erkennbar, dass Tunnel und Brücken für jeden in der Landschaft erkennbar sind. Die vermeintliche Terrorismusgefahr soll hier als Freibrief für Informationsverweigerung herhalten."
Originaltext: dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/8218 Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_8218.rss2
Pressekontakt: dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH Pressesprecher Justus Demmer Telefon: 040 / 4113 - 32510 demmer.justus[at]dpa.com
Kontaktinformationen:
Leider liegen uns zu diesem Artikel keine separaten Kontaktinformationen gespeichert vor.
Am Ende der Pressemitteilung finden Sie meist die Kontaktdaten des Verfassers.
Neu! Bewerten Sie unsere Artikel in der rechten Navigationsleiste und finden
Sie außerdem den meist aufgerufenen Artikel in dieser Rubrik.
Sie suche nach weiteren Pressenachrichten?
Mehr zu diesem Thema finden Sie auf folgender Übersichtsseite. Desweiteren finden Sie dort auch Nachrichten aus anderen Genres.
http://www.bankkaufmann.com/topics.html
Weitere Informationen erhalten Sie per E-Mail unter der Adresse: info@bankkaufmann.com.
@-symbol Internet Media UG (haftungsbeschränkt)
Schulstr. 18
D-91245 Simmelsdorf
E-Mail: media(at)at-symbol.de
263126
weitere Artikel:
- Bio-Energie-Riegel sorgt für Power im Job / Unternehmen erhalten die Riegel ab sofort in der Spenderbox Wien, Österreich (ots) - In heutigen Zeiten, in denen immer mehr Wert auf schnelle Arbeitsprozesse gelegt wird, Begriffe wie "Speed-Management" Einzug in den täglichen Sprachgebrauch erhalten und Geschwindigkeit durch das Internet neu definiert wird, bekommen Themen wie Gesundheit und Ernährung im Joballtag oft zu wenig Aufmerksamkeit. Ungesunde Ernährung und damit einhergehend fehlende Energie sind das Resultat. Die Black Bear GmbH aus Wien schafft mit dem neuen Bio-Energie-Riegel Abhilfe. Dieser ist ab sofort unter www.energieriegel.at mehr...
- 8,3 Millionen Zuschauer beim "Polizeiruf 110": Bestwerte für das neue Rostocker Team des NDR Hamburg (ots) - Gelungene Premiere für den neuen NDR-"Polizeiruf 110" aus Rostock: 8,32 Millionen Zuschauer verfolgten am Sonntagabend (18. April) den ersten Fall von Hauptkommissar Alexander Bukow (Charly Hübner) und Profilerin Katrin König (Anneke Kim Sarnau). Der Marktanteil beim Gesamtpublikum lag bei 24 Prozent. Beides sind im laufenden Jahr "Polizeiruf"-Spitzenwerte. Auch in der jüngeren Zielgruppe (14 bis 49 Jahre) war der Krimi von der Ostseeküste erfolgreich, der Marktanteil lag hier bei 15,6 Prozent. Frank Beckmann, NDR Programmdirektor mehr...
- BMI-Förderpreis "Helfende Hand" für das Ehrenamt / DFV-Präsident: "Bewerben Sie sich mit tollen Ideen und Vorbild-Unternehmen!" Berlin (ots) - Ideen und Konzepte, die das Interesse der Menschen für ein ehrenamtliches Engagement im Bevölkerungsschutz wecken, sowie Unternehmen, die ehrenamtlichen Einsatz vorbildlich unterstützen: Dies sind die Menschen, die mit dem Förderpreis "Helfende Hand" 2010 ausgezeichnet werden. Zum zweiten Mal vergibt Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière den mit insgesamt 15.000 Euro dotierten Preis in mehreren Kategorien. "Im letzten Jahr waren hier tolle Ideen der Feuerwehren auf den vordersten Plätzen; auch in diesem Jahr freuen mehr...
- autobild.de baut Newsletter-Angebot aus - Apple iPad zu gewinnen Hamburg (ots) - Ab sofort können sich die Nutzer von autobild.de noch aktueller und umfassender informieren, denn das Online-Portal der AUTO BILD-Gruppe erweitert seinen Infoservice: Unter www.autobild.de/newsletter wählen Nutzer aus 11 kostenlosen Newslettern die Themengebiete, die sie wirklich interessieren. Ob Allrad, Klassik, Motorsport oder Tuning - je nach Thema halten sich die Abonnenten täglich, wöchentlich oder monatlich über alle relevanten Themen auf dem Laufenden. Zum Start des neuen Angebots verlost autobild.de unter mehr...
- ZEIT CAMPUS stellt vor: "100 Studenten, von denen wir noch hören werden" Hamburg (ots) - Die neue ZEIT CAMPUS-Ausgabe erscheint am 20. April mit dem Titel "100 Studenten, von denen wir noch hören werden". In monatelanger Recherche hat die Redaktion aus Hunderten Studenten und Absolventen unter 30 diejenigen ausgewählt, die heute schon beeindruckende Dinge tun, besonders engagiert sind und vermutlich die Welt von morgen bewegen werden. Darunter sind etwa ein 23-Jähriger, der Minister berät, eine BWL-Studentin, die im dritten Semester einen Hedgefonds gegründet hat und eine 24-Jährige, die inzwischen ihr viertes mehr...
|
|
|
Mehr zu dem Thema Sonstiges
Der meistgelesene Artikel zu dem Thema:
Sat1.de mit neuem Online-Spiele-Portal Sat1Spiele.de / SevenOne Intermedia baut Bereich Games weiter aus
durchschnittliche Punktzahl: 0 Stimmen: 0
|