WAZ: Aufruhr in der Kirche. Leitartikel von Angelika Wölk
Geschrieben am 04-02-2011 |
Essen (ots) - Unter dem einigenden Dach der Peterskuppel in Rom
gärt es. Katholiken begehren auf. Viele von ihnen sind von dem
Skandal um den sexuellen Missbrauch durch Geistliche tief erschüttert
und verunsichert; darüber, wie die Kirche in früheren Jahren damit
umgegangen ist, wie vertuscht und verharmlost wurde. So viele
Menschen wie nie zuvor haben sich deswegen von ihrer Kirche
abgewendet.
Es stimmt, der Papst, die Bischöfe hierzulande haben lobenswert
angemessen auf die Verbrechen reagiert. Viel ist geschehen, das darf
nicht klein geredet werden. Aber Entscheidendes fehlt.
Sie alle, Papst wie Bischöfe, hatten versprochen, dass es nun ein
Umdenken geben werde. Ein breiter Dialog-Prozess wurde angekündigt.
Aber immer, wenn jetzt konkrete Forderungen auf den Tisch kamen,
wurden sie abgebügelt.
Da war die Initiative einiger CDU-Politiker aus Berlin, die eine
Öffnung des Zölibats, die Zulassung auch von verheirateten Priestern
forderten; die katholischen Frauen, die an die Würzburger Synode von
vor 40 Jahren erinnerten, in der schon Reformen angemahnt wurden.
Ihre Empörung darüber, vom Amt in der Kirche auf ewig ausgeschlossen
zu bleiben, wird von einigen (nicht von allen) im Kreis der
Soutanenträger anscheinend gar nicht mehr ernst genommen. Wie lange
soll das noch so gehen? Und nun haben mehr als 150
Theologie-Professoren den Reform-Stau in der Kirche angeprangert.
Will die Kirche über alles hinweg sehen? Weiter so?
Aber so einfach sollten es sich Bischöfe, sollte es sich der Papst
nicht machen. Schließlich hat er noch einen weiteren Titel: Pontifex,
Brückenbauer. Dieser Titel besagt, dass der Papst alle Kräfte in der
Kirche integrieren sollte; die konservativen, die ultrakonservativen,
die fortschrittlich gesinnten Gläubigen. Die Konservativen brauchen
sich über mangelnden Einfluss in Rom nicht zu beklagen. Und mit
welchem Einsatz ultrakonservative Kräfte integriert werden, konnte
die Welt bei der Pius-Bruderschaft beobachten. Es wird Zeit, dass
Benedikt auch auf die Fortschrittlichen zugeht. Es könnte sonst
irgendwann einmal keiner und keine von ihnen mehr zur Kirche gehören.
Fazit: Der Reform-Druck wächst beständig. Um der Einheit der
Kirche willen sollten Bischöfe und der Papst das nicht länger
ignorieren.
Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 / 804-6528
zentralredaktion@waz.de
Kontaktinformationen:
Leider liegen uns zu diesem Artikel keine separaten Kontaktinformationen gespeichert vor.
Am Ende der Pressemitteilung finden Sie meist die Kontaktdaten des Verfassers.
Neu! Bewerten Sie unsere Artikel in der rechten Navigationsleiste und finden
Sie außerdem den meist aufgerufenen Artikel in dieser Rubrik.
Sie suche nach weiteren Pressenachrichten?
Mehr zu diesem Thema finden Sie auf folgender Übersichtsseite. Desweiteren finden Sie dort auch Nachrichten aus anderen Genres.
http://www.bankkaufmann.com/topics.html
Weitere Informationen erhalten Sie per E-Mail unter der Adresse: info@bankkaufmann.com.
@-symbol Internet Media UG (haftungsbeschränkt)
Schulstr. 18
D-91245 Simmelsdorf
E-Mail: media(at)at-symbol.de
314210
weitere Artikel:
- Westdeutsche Zeitung: Europa und die USA werden im Nahen Osten an Einfluss verlieren - Die Doppelmoral des Westens
Ein Kommentar von Christoph Lumme Düsseldorf (ots) - Jetzt also doch. Die europäischen
Regierungschefs rangen sich gestern endlich zu einer gemeinsamen
Haltung gegenüber Ägypten durch. Gerade der deutsche Außenminister
Westerwelle hatte sich zuvor immer wieder mit atemberaubenden
verbalen Verrenkungen davor gedrückt, die alternativlose Konsequenz
einzufordern: den sofortigen Rücktritt Mubaraks.
Das Zaudern zeigt, wie sehr der Westen in diesen Tagen des
arabischen Aufbruchs von seiner eigenen historisch gewachsenen
Doppelmoral eingeholt wird. Jahrzehntelang predigten mehr...
- WAZ: Kampagnen sind zu wenig. Kommentar von Daniel Freudenreich Essen (ots) - Immer weniger Jugendliche trinken Alkohol. Schön und
gut. Für große Freude liefert die neue Studie zum Alkoholkonsum
junger Menschen aber keinen Grund. Nach wie vor trinken zu viele
unter 16-Jährige Alkohol. Komasaufen ist beliebt.
Machen wir uns nichts vor: Wenn ein Heranwachsender Schnaps
trinken will, dann bekommt er ihn auch in Zukunft. Unter dem Strich
müssen die Jugendlichen auch selbst auf den Trichter kommen, dass
"Saufen" uncool ist.
Der Staat muss aber dafür sorgen, dass diese Erkenntnis reifen
kann, mehr...
- Neue OZ: Kommentar zu Ägypten Osnabrück (ots) - Sturz und Neuanfang
Der Begriff vom "geordneten Übergang" ist gerade sehr in Mode -
und doch schon wieder kurz davor, zum Unwort des Monats zu werden.
Was wollen all die Politiker, die diesen geordneten Übergang entweder
fordern oder versprechen? Natürlich wollen sie vorrangig, dass
Ägypten nicht im Chaos versinkt. Niemand will das - die Bilder der
letzten Straßenschlachten waren Horrorszenario genug. Aber hinter den
Übergang-Aussagen steckt noch mehr: die Angst vor einer Haltung und
der Versuch, die eigene Hilflosigkeit mehr...
- Neue OZ: Kommentar zu Konferenzen / Sicherheit Osnabrück (ots) - Welt im Wandel
Die Weltordnung wird künftig nicht mehr so sein wie zuvor - egal,
wie der Kampf um die Macht in Ägypten ausgeht. Die revolutionären
Eruptionen in der arabischen Welt, die Rufe der Menschen nach
Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung lassen derzeit alle
Sicherheits- und Stabilitätskonzepte des Westens für den Nahen Osten
wie Kartenhäuser zusammenfallen.
Insofern sind die rasanten Veränderungen vergleichbar mit dem Ende
des Kommunismus in Mittel- und Osteuropa vor zwei Jahrzehnten. Das
ist mehr...
- Neue OZ: Kommentar zu Kirchen Osnabrück (ots) - Bischöfe sind am Zug
Acht Monate vor dem Papstbesuch in Deutschland gärt es in der
katholischen Kirche. Kürzlich forderten acht CDU-Politiker Reformen
angesichts des Priestermangels - jetzt mahnen rund 150 Theologen weit
tiefgreifendere Änderungen an. Im Krisenjahr 2010, als
Missbrauchsskandale wie ein Sturm die Kirche durchschüttelten, hatten
die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen
Katholiken einen Dialogprozess angestoßen. Doch nach außen ist bisher
nur Stillstand erkennbar. Offenbar mehr...
|
|
|
Mehr zu dem Thema Aktuelle Politiknachrichten
Der meistgelesene Artikel zu dem Thema:
LVZ: Leipziger Volkszeitung zur BND-Affäre
durchschnittliche Punktzahl: 0 Stimmen: 0
|