Badische Zeitung: Sprechstunde für die Seele / Der Vorschlag des Kassenverbands zur Reform des psychotherapeutischen Angebots taugt nicht / Von Bernhard Walker
Geschrieben am 16-12-2013 |
Freiburg (ots) - Zunächst die gute Nachricht: In Deutschland
bekommen mehr Psychotherapeuten eine Zulassung der Krankenkassen. Das
war überfällig, weil heute vielerorts Kranke auf eine
psychotherapeutische Behandlung warten müssen. Ob eine gute Reform
dieses Versorgungsangebots gelingt, ist aber offen. Es ist ja nicht
so, dass Wartezeiten das einzige Problem wären. Der Mangel führt auch
dazu, dass mancher Patient dort landet, wo eben gerade noch etwas
frei ist - auch wenn das dabei angebotene Therapie-Verfahren für ihn
nicht geeignet ist. Deshalb schlägt der Spitzenverband der Kassen
eine "orientierende Sprechstunde" vor. In Form der so genannten
probatorischen Sitzungen gibt es dies aber schon. Allerdings wurden
diese Sitzungen bisher deutlich schlechter vergütet als die
eigentliche Therapie. Zum Glück soll sich das künftig ändern. Denn
damit bekommen die diagnostische Untersuchung und die Prüfung,
welches psychotherapeutische Verfahren individuell das
erfolgversprechendste für eine Heilung ist, den nötigen finanziellen
Rahmen. Während dieser Reformaspekt in die richtige Richtung geht,
führen andere allerdings in die Irre. Regelrecht missglückt ist
beispielsweise der Vorschlag einer "Therapiepause", die sich im
Kassen-Konzept findet: Nach 12 Stunden Therapie soll es eine
"Mindestwartezeit" von sechs Wochen geben. Therapeut und Patient
könnten die Zeit nutzen, um darüber nachzudenken, ob die bisher
verfolgte Therapie sinnvoll sei. Ob sie gut miteinander arbeiten
können, stellen Therapeut und Patient aber ganz von alleine fest.
Ihre Arbeit zwangsweise zu unterbrechen, stellt jedenfalls einen
krassen Eingriff dar. Denn er würde auch für die Behandlungen gelten,
bei denen Therapeut und Patient bestens miteinander klarkommen und
dabei schon Fortschritte erreicht haben. Die Pause begründet der
Kassen-Verband mit dem Hinweis, dass Psychotherapien keine
"Kriseninterventionen" seien. Aber sind sie das wirklich nicht? Viele
Therapeuten berichten, dass sich viele ihrer Patienten sehr wohl in
einer schweren seelischen Krise befinden und eine Unterbrechung der
Behandlung nicht zu verantworten sei. Den Kassen, so die Klage der
Kammer der Therapeuten, gehe es nicht um Reform, sondern um Sparen
und Rationieren. Mit seinem Konzept hat der Verband somit nur
erreicht, dass die Atmosphäre für die Gespräche über die für 2014
geplante Reform der psychotherapeutischen Versorgung belastet ist.
Das ist ausgesprochen schade. Denn gerade in schlecht versorgten
ländlichen Gebieten werden mehr Therapeuten in der gesetzlichen
Krankenversicherung zugelassen werden. Dieses Plus bietet die Chance,
die Wartezeiten für eine Therapie zu mindern. Mehr Therapien möglich
zu machen, sie dann aber zwangsweise zu unterbrechen: Das passt
nicht zusammen.
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Badische Zeitung
Schlussredaktion Badische Zeitung
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redaktion@badische-zeitung.de
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