WAZ: Rot-Rot - Was plötzlich in der SPD als normal gilt. Kommentar von Ulrich Reitz
Geschrieben am 04-10-2009 |
Essen (ots) - Es ist so berechenbar wie gefährlich. Natürlich muss jetzt der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit der Erste sein, der Rot-Rot-Grün als gleichberechtigte Bündnisoption für die Sozialdemokraten ins Spiel bringt. So ist die öffentliche Wahrnehmung, jedenfalls bei der Linken, nämlich, dass es unbestreitbare Normalität sei, dass die SPD sich auf die Linkspartei zu bewege. Nur, dass genau dies eben nicht normal ist.
Darf man noch mal auf die Unterschiede zwischen Rot und Tiefrot hinweisen, oder ist dafür der Zug schon abgefahren? Die Einen, Sozialdemokraten, haben eine ausgesprochen demokratische Geschichte. Die Anderen, Linken, haben eine ausgesprochen undemokratische Geschichte.
Vergesst mir die Freiheit nicht, rief Willy Brandt seinen Genossen zu. Nicht jeder wollte das hören. Brandt aber wusste, dass die Gleichheit ein großer Verführer war. Die Linkspartei hält sich mit Diskussionen über persönliche Freiheitsspielräume nicht auf. Ihre gegenwartsmächtige Historie ist das Kollektiv: was zählt, ist die Gleichheit. Wenn in der SPD jene die Überhand gewinnen, die eine rot-rote Normalität predigen, entlassen sie die Linkspartei aus der Verantwortung, ihre belastete Geschichte zu klären und die Konsequenzen daraus zu ziehen. Diesen Häutungsprozess mussten auch die Grünen hinter sich bringen, bevor sie auf Bundesebene Verantwortung übernehmen konnten. Zwischen der Gründung der Grünen und der Koalition zwischen Schröder und Fischer lagen mehr als 20 Jahre. Weshalb hat es jetzt die SPD so eilig? Die SPD muss aufpassen, dass sie ihren Stolz nicht verliert. Und das tut sie, wenn sie der Linkspartei aus plumpen machttaktischen Überlegungen hinterher läuft.
Originaltext: Westdeutsche Allgemeine Zeitung Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/55903 Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_55903.rss2
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