Westdeutsche Zeitung: Deutscher auf Airbus-Schleudersitz = von Ingo Faust
Geschrieben am 16-07-2007 |
Düsseldorf (ots) - Im Personal-Roulette um die künftige Führungsstruktur bei Europas Luftfahrtkonzern EADS sind die Kugeln gefallen. Wie in der Politik üblich, gab es nur Gewinner: Der Franzose Gallois (63) bleibt EADS-Chef. Der bisher gleichberechtigte Deutsche Enders (48) wird unter ihm Airbus-Chef. Und über beiden thront Daimler-Chrysler-Manager Grube (55) als Oberaufseher und schaut ihnen auf die Finger. Damit ist es Bundeskanzlerin Merkel und dem neuen französischen Präsidenten Sarkozy gelungen nach sieben Jahren voller Konflikten die deutsch-französische Doppelspitze abzuschaffen. Dabei hat sie Sarkozy mit zwei Führungsposten für Deutsche sogar etwas ausgetrickst. Aber in fünf Jahren soll es anders herum laufen und die Nationalitäten auf den Positionen wechseln. EADS, bislang ein zu politisches Gebilde, wird damit ein Stück mehr zu einem normalen Unternehmen. Allerdings nur ein kleines Stück, denn nach wie vor hängt Europas Vorzeigekonzern am Gängelband der Politik in Berlin und Paris. Die Airbus-Mitarbeiter bekommen den fünften neuen Chef in zwei Jahren diesmal einen früheren deutschen Major der Fallschirmspringer. Enders passt da gut hin, denn der Chefsessel des Flugzeugbauers gilt angesichts der Krisen als Schleudersitz. In den letzten zwölf Monaten sind zwei seiner Vorgänger gefeuert worden wegen Pannen beim Großraumjet A380 und explodierender Kosten für den verspäteten A350. Um den Airbus-Chefposten, der dem des EADS-Chefs in der Bedeutung fast ebenbürtig ist, ist Enders nicht zu beneiden. Er muss das Sanierungsprogramm Power 8 durchführen, ein halbes Dutzend Fabriken schließen und 10x0f000 Flugzeugbauer auf die Straße setzen. Schafft das der als hemdsärmelig geltende Manager, so winkt ihm der EADS-Chefposten als Nachfolger von Gallois. Und ein weiteres Problem - eine eigentlich notwendige Kapitalerhöhung - wurde gestern zwischen Merkel und Sarkozy ausgeklammert, um die neue deutsch-französische Freundschaft nicht gleich wieder zu gefährden. Auch die industriellen Aktionäre halten eine Kapitalspritze derzeit nicht für erforderlich, weil die Auftragsbücher bis zum Rand voll sind. Sarkozy würde sie aber gerne durchführen. Dann läge Frankreich wieder vorn und die Pattsituation hätte ein Ende.
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