Westdeutsche Zeitung: Hundert Jahre nach dem Attentat von Sarajevo =
von Werner Kolhoff
Geschrieben am 26-06-2014 |
Düsseldorf (ots) - Der deutsche Außenminister lässt derzeit in
einer Veranstaltungsreihe diskutieren, ob sich das Versagen der
Diplomatie bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges heute wiederholen
könnte. Seine vorläufige Antwort und die der Kanzlerin lautet: Nein,
denn es gibt eine neue Gesprächskultur der Regierungen in Europa, die
dergleichen verhindert. Und in der Tat hat die heutige
Politikergeneration dieses Kontinents aus der blutigen Geschichte
gelernt. Die Nationen bestehen fort, ordnen sich aber supranationalen
Organisationen wie der UNO, der EU oder der OECD ein und unter.
Freilich, der Rückfall Putins in eine rücksichtslose
nationalchauvinistische Strategie, auch das Aufkommen
europafeindlicher Parteien in vielen Staaten zeigt, dass sich das
wieder ändern kann. Das Alltagsleben ist vernetzt, vom
Auslandsstudium über die Musik, die Esskultur und das Kino bis zum
Urlaub. Man genießt endlich die Vorteile aus der einzigartigen
Vielfalt Europas. Aber auch hier die Einschränkung: Die tumbe
Ablehnung anderer Kulturen, auch europäischer, lässt sich in
Situationen sozialer Probleme schnell wieder mobilisieren. Es gibt
Hooligans und Nazis, die auf Fremdenjagd gehen, auch auf deutschem
Boden. Es gibt wegen der Euro-Krise Schmähungen gegen die
Schuldenländer. Noch am widerstandsfähigsten sind die
wirtschaftlichen Vernetzungen; nicht ohne Grund verlangt zum Beispiel
in der Ukraine-Krise die Wirtschaft am stärksten nach friedlichen
Lösungen. Denn die Rückkehr zu Konfrontation und nationaler
Konkurrenz kostet bares Geld. Hundert Jahre nach dem Ersten Weltkrieg
liegt Europa, von oben betrachtet, wie ein großer Schulhof da, auf
dem friedlich gespielt und nur am Rande manchmal gerangelt wird. Doch
das Bild kann sich rasch ändern. Erst kommt die Missgunst, dann die
Abgrenzung, dann die Konfrontation. Man muss deshalb auf weiter an
den Lehren der zwei Weltkriege arbeiten. Die Politik muss ihre
internationalen Kontakte vertiefen. Die Bevölkerung muss offen
bleiben für andere Kulturen und die Wirtschaft weiter an gemeinsamen
Projekten arbeiten. Denn der Frieden ist ein dünner Firniss. Vor 100
Jahren, als alles auch sehr friedlich schien, reichten zwei Schüsse
in Sarajevo.
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