Rheinische Post: Schottland - Lehrstück für politische Vernunft
Geschrieben am 19-09-2014 |
Düsseldorf (ots) - Kommentar von Martin Kessler
Die Briten, Engländer wie Schotten eingeschlossen, können stolz
sein auf ihre Demokratie. Selten hat ein Land ein solches
Reifezeugnis abgelegt. Mit großer Leidenschaft haben beide Seiten für
ihre Sache gekämpft - die Unionisten für die Einheit, die
Nationalisten für die Unabhängigkeit. Aber anders als es die Begriffe
vermuten lassen, entstand daraus ein fairer politischer Wettbewerb.
Am Ende siegte die Gruppe, die sich für eine Beibehaltung der
staatlichen Bindung Schottlands an Großbritannien aussprach. Und die
Unterlegenen akzeptierten. Mehr Demokratie ist nicht möglich. In den
meisten Teilen der übrigen Welt geht so etwas nicht ohne Betrug,
Gewalt oder politische Vergiftung ab - siehe Balkan, Sudan,
Afghanistan oder Ukraine. Ob das gescheiterte Referendum die anderen
Unabhängigkeitsbewegungen in Europa beeinflusst, ist unklar.
Katalanen, Basken, Flamen oder Korsen, die selbstständig werden
wollen, werden durch das schottische Nein nicht von ihren Träumen
lassen. Die Katalanen wollen es mit einem Referendum am 9. November
versuchen. Die spanische Regierung hat es schon für illegal erklärt.
Warum eigentlich? Könnte es nicht sein, dass sich auch hier eine
Mehrheit für die Vernunft entscheidet? Offenbar hat die konservative
Regierung Angst vor der Demokratie. Sieger des Referendums ist
eindeutig der britische Premier David Cameron. Bislang ist er nicht
gerade durch eine sonderlich glückliche Hand aufgefallen. Sein
Regierungspartner schwächelt, er selbst hat bei der Frage nach einem
Truppeneinsatz in Syrien im Parlament eine empfindliche Niederlage
erlitten. Jetzt hat er mit seinem leidenschaftlichen Appell für die
Einheit den Fortbestand seines Landes gesichert. Aber Großbritannien
wird sich verändern. Das einseitig auf London fixierte Land muss
seinen Teilen mehr Kompetenzen einräumen. Davon werden nicht nur die
Schotten, sondern auch die Waliser und Nordiren, ja selbst die
Engländer profitieren. Hier kommt nun eine Tradition ins Spiel, die
ihre Heimat in Deutschland, der Schweiz oder den USA hat - der
Föderalismus. Es wäre den Briten zu wünschen, dass sie aus den
Fehlern des deutschen Föderalismus lernen. Es kann nicht sein, dass
jede Ebene, die nationale, regionale oder kommunale, auf jeder
anderen Ebene mitentscheidet, wie es das Modell des kooperativen
Föderalismus à la Bundesrepublik vorsieht. Besser ist es, wenn jede
Ebene für sich entscheidet und dafür die Verantwortung trägt. Das
wäre Autonomie im nationalen Verbund - und könnte die Unterlegenen im
schottischen Referendum trösten.
Pressekontakt:
Rheinische Post
Redaktion
Telefon: (0211) 505-2621
Kontaktinformationen:
Leider liegen uns zu diesem Artikel keine separaten Kontaktinformationen gespeichert vor.
Am Ende der Pressemitteilung finden Sie meist die Kontaktdaten des Verfassers.
Neu! Bewerten Sie unsere Artikel in der rechten Navigationsleiste und finden
Sie außerdem den meist aufgerufenen Artikel in dieser Rubrik.
Sie suche nach weiteren Pressenachrichten?
Mehr zu diesem Thema finden Sie auf folgender Übersichtsseite. Desweiteren finden Sie dort auch Nachrichten aus anderen Genres.
http://www.bankkaufmann.com/topics.html
Weitere Informationen erhalten Sie per E-Mail unter der Adresse: info@bankkaufmann.com.
@-symbol Internet Media UG (haftungsbeschränkt)
Schulstr. 18
D-91245 Simmelsdorf
E-Mail: media(at)at-symbol.de
548005
weitere Artikel:
- Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zu Papst Franziskus und seinen Kritikern Regensburg (ots) - Franziskus polarisiert. Das ist seit den ersten
unkonventionellen Auftritten des Oberhaupts von 1,2 Milliarden
Katholiken deutlich. Programmatisch hat sich aber noch kaum etwas
verändert, seit Franziskus Papst ist. Erst jetzt, mit dem Beginn der
außerordentlichen Familiensynode am 5. Oktober steht die katholische
Kirche nun auch inhaltlich am Scheideweg. Franziskus wird diesmal von
den klerikalen Streithähnen instrumentalisiert. Er hat sich aber ganz
bewusst der Debatte entzogen, um den unterschiedlichen Meinungen mehr...
- Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel zu Schottland Regensburg (ots) - Es ist noch einmal gut gegangen. Schottland
bleibt Teil von Großbritannien. Der kollektive Seufzer der
Erleichterung war am Freitagmorgen nicht nur in London, sondern in
ganz Europa zu hören. Die negativen Konsequenzen einer schottischen
Unabhängigkeit hat sich niemand ausmalen wollen. Obwohl Schottland
ein kleines Land ist, hätte eine Abspaltung einen seismischen Schock
ausgelöst, der nicht nur im Rest-Königreich, sondern auch weit über
seine Grenzen hinweg schlimme Verwerfungen angerichtet hätte.
Schottland mehr...
- Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zu Winfried Kretschmann Regensburg (ots) - Winfried Kretschmann ist im Bundesrat nicht
"umgefallen". Der knorrige grüne Landesvater von Baden-Württemberg
hat mit dem Kompromiss für Flüchtlinge in Deutschland mehr
herausgeholt als in den vergangenen zwanzig Jahren seit Änderung des
Asylrechts zuvor. Die Residenzpflicht, im Grunde ein Reiseverbot für
Asylbewerber, wird ebenso abgeschafft wie Sachleistungen -
stattdessen soll es Geld geben - oder das unsinnige Arbeitsverbot für
in Deutschland lebende Flüchtlinge. Außerdem will der Bund den
Kommunen, die dem mehr...
- Allg. Zeitung Mainz: Nicht nur aufatmen / Kommentar zum schottischen Referendum Mainz (ots) - Die Entscheidung der Schotten, das Vereinigte
Königreich doch nicht zu verlassen, ist dreidimensional. Dimension 1:
Wir können aufatmen. Aufatmen, dass die Horrorszenarien, die wir uns
in den vergangenen Tagen für den Fall eines Auseinanderbrechens
Großbritanniens ausgemalt haben, nicht über uns kommen werden. Was
für ein Glück, dass wir nicht Zeugen eines wahrhaft historischen
Prozesses werden, dessen destruktive Wirkung kaum geringer
ausgefallen wäre als die positive Wirkung der Deutschen Einheit.
Dimension 2: Wir mehr...
- WAZ: Alkohol und Autofahren. Kommentar von Dietmar Seher Essen (ots) - Im letzten Jahr starben 314 Verkehrsteilnehmer bei
Unfällen, weil Alkohol im Spiel war. Es sind 314 Tote zu viel. 1992
aber kamen 2102 Menschen um, die sich so selbst ins Unglück fuhren
oder Opfer betrunkener Fahrer wurden.
Die EinsteIlung zum Trinken hat sich verändert. Die Frage drängt
sich auf, ob es wirklich nötig ist, mehr Autofahrer als heute dem
tiefgehenden Persönlichkeitstest MPU zu unterziehen und ihnen damit
den Stempel zu verpassen, generell ein Alkoholproblem zu haben.
In der Praxis würde eine mehr...
|
|
|
Mehr zu dem Thema Aktuelle Politiknachrichten
Der meistgelesene Artikel zu dem Thema:
LVZ: Leipziger Volkszeitung zur BND-Affäre
durchschnittliche Punktzahl: 0 Stimmen: 0
|