Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur möglichen Nachfolge von Horst Köhler
Geschrieben am 01-06-2010 |
Bielefeld (ots) - Zwei Tage nach dem Rücktritt Horst Köhlers hat
es der ehemalige Präsident des Bundesverbandes der Deutschen
Industrie auf den Punkt gebracht. Hans-Olaf Henkel verglich die
schwarz-gelbe Koalition mit einem Schiff, das sich in schwerer See
befindet und wichtiges Fachpersonal verloren hat. In Friedrich Merz
sei der Bootsmann nicht mehr da, in Roland Koch der Navigator und in
Horst Köhler sei der Admiral von Bord gegangen. Finanzkrise,
Haushaltskonsolidierung, Euro-Notlage, Umfragetief und nun auch noch
eine Personaldebatte um das höchste deutsche Amt im Staat - als wenn
Angela Merkel nicht schon genug Probleme hätte. Dass ausgerechnet
Merkel und Westerwelle, die Köhler ja aus dem Hut gezaubert haben,
vom Rücktritt kalt erwischt wurden, wirft kein gutes Licht auf die
Kanzlerin und ihren Stellvertreter. Und ausgerechnet in dieser auch
für Merkel persönlich schwierigen Phase unterläuft ihr ein kleiner
Versprecher, der zeigt, wie groß die Enttäuschung über Köhler sein
muss. Wörtlich sagte Merkel: »Ich bedauere diesen Rücktritt aufs
Allerhärteste«. Gemeint hat sie wohl: »Ich kritisiere diesen
Rücktritt aufs Allerschärfste.« Auf der Suche nach einem neuen Boss
im Schloss muss die Bundeskanzlerin jetzt das Unmögliche schaffen.
Von ihr wird erwartet, einen Kandidaten zu präsentieren, der sowohl
ein großer Bürgerpräsident sein kann, als auch - im Gegensatz zu
Horst Köhler - politisch akzeptiert ist. Merkels Mann oder Frau
sollte Wege aufzeigen können, wie die großen Herausforderungen der
Wirtschafts- und Finanzkrise und der Schuldenabbau gemeistert werden
können. Er muss sympathisch sein, Charisma haben, das Vertrauen des
Volkes zurückgewinnen können. Das äußerst anspruchsvolle
Anforderungsprofil macht die Suche schwer. Eigentlich kommen nur drei
Bundespräsidentschaftskandidaten ernsthaft in Frage: Ursula von der
Leyen, Wolfgang Schäuble und Norbert Lammert. Karl-Theodor zu
Guttenberg ist noch keine 40 und somit aus dem Rennen. Für die zwei
Erstgenannten spricht sehr viel. Merkels Favoritin ist offenbar
Arbeitsministerin Ursula von der Leyen. Beide Bundesminister hätten
das Zeug zu diesem hohen Amt. Gegen sie spricht, dass sie wichtige
Eckpfeiler der Regierung und somit schwer zu ersetzen sind. Merkel
würde zwar eine Baustelle schließen, gleichzeitig aber eine neue
aufreißen. Doch auch diese könnte die Kanzlerin schnell beseitigen.
Denn in Jürgen Rüttgers stünde ein politisches Schwergewicht als
möglicher Arbeitsminister bereit. Merkel würde somit zwei Fliegen mit
einer Klappe schlagen. Denn ohne Rüttgers ließe sich die SPD bei der
Regierungsbildung in NRW vielleicht leichter auf eine Große Koalition
unter CDU-Führung ein. Lammert scheidet wohl aus, weil die Kanzlerin
ihn nicht will. Für Angela Merkel ist die Suche nach einem neuen
Präsidenten Fluch und Segen zugleich. Es ist eine große
Herausforderung, aber auch eine Riesenchance, Bewährungs- und
zugleich Belastungsprobe.
Originaltext: Westfalen-Blatt
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Westfalen-Blatt
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Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261
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