Allg. Zeitung Mainz: Die neue Sanftheit (Kommentar zu Russland)
Geschrieben am 15-10-2007 |
Mainz (ots) - Kein Wortgefecht über Menschenrechte zwischen Angela Merkel und Wladimir Putin beim Treffen in Wiesbaden. Keine der gefürchteten Spitzen des russischen Präsidenten. Keine schmerzhaften Seitenhiebe der Kanzlerin. Stattdessen wechselseitiges Wohlwollen, die Zusicherung, man arbeite vertrauensvoll zusammen. Die neue deutsch-russische Sanftheit? Warum nicht? Alles hat seine Zeit. Und die goldenen Oktobertage in Hessens Landeshauptstadt waren offenbar für beide Seiten dazu bestimmt, ein wenig Luft zu schöpfen, sich auf Gemeinsamkeiten zu besinnen. Die Ministerriegen Russlands und Deutschlands einträchtig und fast komplett an einem Tisch versammelt - ein Bild von hoher Symbolkraft. Nicht von ungefähr betonte Putin, mit kaum einem anderen Land sei dergleichen üblich. Das Wiesbadener Treffen lässt hoffen - wenngleich die Probleme bleiben. Die Beziehungen Russlands zur EU als Institution sind nicht gut, die zu den USA sind so schlecht, dass der Gedanke an einen neuen Kalten Krieg nicht völlig abwegig erscheint. Die Probleme Iran und Kosovo brennen unter den Nägeln. Nachdem die Supermacht Sowjetunion nicht mehr existiert, ist es für Russland von eminenter psychologischer Bedeutung, auf der Weltbühne als entscheidender Faktor akzeptiert, zumindest registriert zu werden. Moskau will und muss ein stabilisierendes Element sein, falls die Welt aus den Fugen gerät, weil Staaten wie etwa der Iran unberechenbar werden. Putin hält die Fäden fest in der Hand. Wenn er nun Ministerpräsident wird, um dann wieder Präsident werden zu können, hat das relativ wenig mit Demokratie zu tun. Aber es sorgt wenigstens dafür, dass die Dinge in Russland nicht aus dem Ruder laufen. Das heißt nicht, dass der Westen, dass Deutschland über Menschenrechtsverletzungen den Mantel des Schweigens breiten dürften, beileibe nicht. Die Dinge sind im Fluss, und jede Politik, auch die deutsche, ist die Kunst des Möglichen.
Originaltext: Allgemeine Zeitung Mainz Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/65597 Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_65597.rss2
Pressekontakt: crossmedia@vrm.de
Kontaktinformationen:
Leider liegen uns zu diesem Artikel keine separaten Kontaktinformationen gespeichert vor.
Am Ende der Pressemitteilung finden Sie meist die Kontaktdaten des Verfassers.
Neu! Bewerten Sie unsere Artikel in der rechten Navigationsleiste und finden
Sie außerdem den meist aufgerufenen Artikel in dieser Rubrik.
Sie suche nach weiteren Pressenachrichten?
Mehr zu diesem Thema finden Sie auf folgender Übersichtsseite. Desweiteren finden Sie dort auch Nachrichten aus anderen Genres.
http://www.bankkaufmann.com/topics.html
Weitere Informationen erhalten Sie per E-Mail unter der Adresse: info@bankkaufmann.com.
@-symbol Internet Media UG (haftungsbeschränkt)
Schulstr. 18
D-91245 Simmelsdorf
E-Mail: media(at)at-symbol.de
98437
weitere Artikel:
- Mitteldeutsche Zeitung: zu Deutschland-Russland Halle (ots) - Wahrscheinlich gab es zwischen Moskau und Berlin nie mehr als eine "strategische Partnerschaft". Sie wurde lediglich von der Männerfreundschaft Schröder-Putin überstrahlt. Nun hat sich der Ton versachlicht. Beide Seiten sind aufeinander angewiesen. Das gilt von der Außen- und Sicherheitspolitik bis hin zur Wirtschaft. Auf letzterem Gebiet wird es besonders anschaulich: Deutschland braucht Öl und Gas. Russland - will es Energiegroßmacht bleiben - westliches Fachwissen. Vor diesem Hintergrund ist es nicht das Schlechteste, mehr...
- Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Merkel-Putin Bielefeld (ots) - Na, wunderbar: Die deutsch-russischen Beziehungen entwickeln nach Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eine große Vielfalt. Zu Öl- und Gasgeschäften käme eine ganze Reihe weitere Kooperationen in Wirtschaft, Forschung und Sicherheit hinzu, berichtete sie gestern voller Stolz zum Abschluss der deutsch-russischen Regierungskonsultationen in Wiesbaden. Merkels Bekenntnis: »Das Herzstück ist die wirtschaftliche Zusammenarbeit.« Da ließ sich Besucher Wladimir Putin auch nicht länger bitten und lobte vor Journalisten mehr...
- WAZ: Streitfall Moschee - Kommentar von Ulrich Reitz Essen (ots) - Eine große Moschee ist eine Demonstration, womöglich eine Provokation. Erst recht, wenn christliche Kirchen schließen. Allerdings spiegelt der Umgang mit dem Baustoff nur einen gesellschaftlichen (Wer-te-) Wandel: Bei uns Einheimischen nimmt der Glauben ab, bei Zugewanderten wächst er. Darum hat der EKD-Rats-Vorsitzende Huber Recht, einerseits. Denn eine Moschee signalisiert einen Machtanspruch: Sie verändert die Wahrnehmung im öffentlichen Raum. Die Frage ist andererseits: Wie geht man damit um? Freie Gesellschaften mehr...
- WAZ: Mehr Studienanfänger in NRW: Gute Sache - Kommentar von Christopher Onkelbach Essen (ots) - Die aktuellen Studienanfängerzahlen sind ein Hinweis darauf, dass die vorhergesagte Studentenwelle nun anrollt. Immer mehr junge Leute verlassen die Schulen mit einer Studienberechtigung. Dass jetzt die Erstsemesterzahlen steigen, ist daher eine gute, aber auch eine erwartete Entwicklung. 26 000 neue Studienplätze sollen bis 2010 in NRW entstehen, um das System auf den Ansturm einzurichten. Bereits zu diesem Wintersemester schufen die Hochschulen mit Mitteln von Bund und Land neue Plätze. Die Entwicklung zeigt, wie notwendig diese mehr...
- WAZ: Merkel trifft Putin: Schwierige Verständigung - Leitartikel von Angela Gareis Essen (ots) - Weil Wladimir Putin die westlichen Tischmanieren durchaus beherrscht und nur selten absichtsvoll verletzt, tritt er im dunklen Staatsanzug auf und sagt artige Sätze. Seine Muskeln hat er der Welt bereits veranschaulicht, auf Fotos, die ihn mit bloßem Oberkörper und Gewehr zeigen, sowie in markigen Reden. Die höflichen Botschaften des russischen Präsidenten könnte man mit Untertiteln versehen. Er wisse gar nicht, was es im deutsch-russischen Verhältnis zu verbessern gäbe. (Untertitel: Wirtschaftsbeziehungen reichen vollkommen mehr...
|
|
|
Mehr zu dem Thema Aktuelle Politiknachrichten
Der meistgelesene Artikel zu dem Thema:
LVZ: Leipziger Volkszeitung zur BND-Affäre
durchschnittliche Punktzahl: 0 Stimmen: 0
|